DSEIN

DSEIN

WIR HABEN SEIN

DIE WIEDERKEHR DER VISUELLEN SPRACHE

Wer kennt nicht jenes Geheimnis der Kochkunst. Meine kürzlich verstorbene Großmutter, wir nannten sie liebevoll Omika, servierte mir als Kind „Schupfnudeln“. Ein traditionelles regionales Gericht. Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen. Geschmack und Gerüche haften stark an unseren Erinnerungen. Der Fachmann nennt es olfaktorisches Gedächtnis. Im Laufe der Jahre wurde die Kochkunst für mich selbst zur Leidenschaft. Doch selbst, mit den gleichen Zutaten und all den Erinnerungen, schmecken die Schupfnudel anders als jene meiner Großmutter. Es ist und bleibt der Mensch, der kocht, wirkt und vollendet. Seine Leidenschaft, sein Einzigartigkeit, seine Dasein, hat Einfluss auf das Resultat. Der Mensch ist kein Objekt, er ist ein lebendiges Wesen, voller Geschichten und Gefühle, die sich in seinem Wirken tatsächlich ausdrücken, sich manifestieren.

 

KONZIPIERT ANSTELLE KREIERT

Das heutige Design verhält sich zu dieser Geschichte wie ein Instandgericht zu einer frisch zubereiteten Gemüsesuppe. Die Kunst des Designs, ihre Macht und Leidenschaft, ist tot! Designer sind heute in hohem Maße Sklaven der Softwareindustrie. Adobe leitet sie an – auch im Denken. Typografie, Farben, Stilelemente, etc. werden zu Funktionen und Bedienerelementen. Es wird grafisch konzipiert und nicht kreiert. Was der Unterschied ist? Für jene, die Welt in sich haben, eine einfache Antwort: Der schöpferische Akt des Geistes ist etwas völlig anderes als mit Systemen zu konstruieren.

Die Kunst des Designs, ihre Macht und Leidenschaft, ist tot!

Die Großzahl der sogenannten Designer besitzt keine fachliche Ausbildung. Farbenlehre ist für Sie eine digitale Farbpalette, die sich durch Photoshop und Indesign Funktionen mischen und verändern lässt. Für mich ist es eher eine Vergewaltigung. Typografie beschränkt sich auf die Auswahl eines Fonts in der Schriftensammlung. Die Satzarbeit wird durch automatisierte Schablonen standardisiert. Das alles ähnelt mehr einer Versuchsanstalt, als einem tatsächlichen Designprozess. In der Gebrauchsgrafik beschränkt sich das Können weitgehend auf eine ästhetische Beurteilung von automatisierten Softwareprozessen. Durch das freie Gewerbe unterstützt der Staat den Niedergang einer einstmals hohen und geschätzten Kunst. Das Design wurde damit zum Opfer der Verwertungsindustrie. Und so sieht es auch aus…

Das alles ähnelt mehr einer Versuchsanstalt, als einem tatsächlichen Designprozess.

DIE KOPIE VON DER KOPIE VON DER KOPIE…

Dem leider nicht genug. Die Bilderflut der Medien- und Onlineindustrie überschwemmt uns mit ähnlich Gleichem. Der „Reproduktionsdesigner“ ist ein Copykiller, im besten Fall ein Perlentaucher. Er kopiert wahrscheinlich bereits die Kopie der Kopie. Je öfter dies geschieht, umso mehr macht sich ein vermeintlicher Trend sichtbar. Diese Form des Reproduktionsdesigns wurde selbst perfektioniert. Bildagenturen und Mock Ups, etc. ermöglichen es, dass faktisch schlechtes Design, dennoch hochwertig erscheint. Die Softwareindustrie hat das Design selbst als Kapitalmarkt entdeckt und macht aus jedem visuellen Nerd einen potentiellen Designer. Schöne neue Welt?

Bildagenturen und Mock Ups, etc. ermöglichen es, dass faktisch schlechtes Design, dennoch hochwertig erscheint.

Dieses Grundprinzip der ästhetischen Reproduktionsgesellschaft wird oft mit dem Begriff der Inspiration verteidigt. Doch darf man dieses innere, wie äußere Verarbeiten, die sich rein auf sich selbst beschränkt, so bezeichnen? Das was man hier fälschlich als Inspiration bezeichnet, ist für mich nicht mehr als ein gefährlicher Brandbeschleuniger der turbokapitalistischen Überdrussgesellschaft. Wahre Inspiration ist keine Ware, sondern tritt mit der Sinnlichkeit einer Muse in Erscheinung, die zu einer eigenen Schöpfung anregt und nicht Gefälligkeiten reproduziert. Alles andere ist Viagra für sinnerschlaffte Schöpfungskraft.

Alles andere ist Viagra für sinnerschlaffte Schöpfungskraft.

DIE ERSCHÖPFUNG AUSSCHÖPFEN

Gibt es einen Ausweg aus der Klon Klischee Gesellschaft? Jeder Marketingexperte von Rang weiß, dass Trends ausgedient haben. Also auf einen neuen Trend zu warten, gleicht dem Warten auf Godot. Der Paradigmenwechsel der Dekade, die Wende vom Haben zum Sein, betrifft auch das Design. Es ist an der Zeit der Welt ein neues Antlitz zu geben. Was aber bedeutet dieses “neu”? Jedenfalls nicht jenes, welches als „NEU“ designed auf allen Produkten in den Regalen prangert. Machen Sie den Versuch. Greifen Sie blind in ein Regal und versuchen sie einen Artikel zu finden der nicht neu ist. Neu ist auch nicht die Kultur der Gütesiegel. Vor lauter Inflation der Warenauszeichnungen verlieren die Begriffe wie „Bio“, „Genfrei“, „Fair Trade“, etc. ihren Wert. Das neue Antlitz des Designs ist eben keine Reproduktion, die zur Inflation wurde. Neu ist, dass es nicht um neu geht. Neu ist, dass es um die Güte der Hinwendung und ehrlichen Beschäftigung geht.

Neu ist, dass es nicht um neu geht! Neu ist, dass es um die Güte zur Hinwendung und ehrlichen Beschäftigung geht.

THE MASTERPIECES arbeitet mit der Poesie des Lebens, der Güte des Schöpfens und dem Mut der Gefühle. Was kann ein Designer aus sich hervorbringen, der aus keiner Innenwelt schöpft, der keine Verzweiflung kennt, keinen Mut hat, nicht die Leere fürchtet, sich dem Horror des Kämpfens verschließt, oder die Schönheit der Musik nicht als Zeichen sieht… Dieser jener wird selbst suchen, aber niemals schöpfen.

Wir wenden uns alten Traditionen der Mystik und Kultur zu und führen diese in die Gegenwart. Wir bilden uns und gönnen uns die Unmittelbarkeit einer Begegnung.

Zeit: Gut Ding braucht Weile um zu reifen, zu fallen und wieder stärker aufzustehen.

Inhalte: Jedes Design arbeitet mit Inhalten. Diese sind nicht abstrakt, sondern wollen erlebt, tatsächlich gefühlt und dann ausgedrückt werden.

Prozess: Außerhalb des Systems wartet die Magie des Lebens. Wir reichen Gefühle im Team weiter und beobachten was diese mit uns machen. Holen diese hervor und geben ihnen Raum.

Elemental: Jedes Detail im Design hat Gültigkeit und Wirkung. Hat es Substanz wirkt und kommuniziert es. Wir entwickeln lebendige Marken.

Freude: Wir berühren Kunden im Innersten, weil wir sie mit den Gefühlen faktisch konfrontieren. Unsere Markenwelten sind Orte voller Welten.

Wir nennen es daher DSEIN. Und wir sehen darin eine Verantwortung und nicht lediglich die Willkür von Zeit und Notwendigkeit.

Bisher war das Marketing davon geprägt, eine Methode des Erfolgs zu sein. Man ging von der anmaßenden Annahme aus, dass er wissenschaftlich reproduzierbar sei.

 

Gestern arbeiteten wir an Prozessen, heute mit Methoden und morgen an Lösungen. Dies ist ein fundamentaler ethischer Wandel. Der Mensch wird in seinem Sein und seinen Potentialen entfesselt. Die Systeme der Marktwirtschaft haben sich längst übernommen und den Menschen zu durchrationalisierten Fabriken gemacht. Burnout ist keine Krankheit, sondern die tiefe Depression der Menschheit ohne Sinn. Niemand hat durch ein exzessives Hobby je ein Burnout erlitten. Doch der Kapitalismus frägt nicht nach Interessen, sondern nach … nach nichts. Er produziert einfach und um jeden Preis Mehrwertlosigkeit. Fragen Sie sich bitte nach der realen Bedeutung folgender Worte: Umsatzsteuervorausnachzahlung, Nulldefizit und Minuswachstum. Das ist Wirtschaftswissenschaft? Nein, das ist blanker Unsinn! Wir können weiter denken: Was macht folgende Wissenschaft für einen Sinn? Geld wettet darauf, dass Geld verliert, um damit Gewinn zu machen. Das ist so, als ob zwei Menschen in einem Raum sind und drei hinausgehen, um einen zu bitten, dass er hineingeht, damit keiner drin ist.

Verlassen wir die Untiefen der höheren Kapitalmathematik und schauen wir uns das Kapitalsystem von der menschlichen Seite an. Das Marketing geht von folgender Formel aus: (A=B=C). Man benötigt eine ganz einfach gestrickte DNA mit minderbemitteltem Intelligenzquotienten um zu VERSTEHEN, dass dies auf den Menschen nicht übertragbar ist. Geben Sie drei Managern das gleiche Konzept werden Sie dennoch drei völlig verschiedene Produkte, Leistungen, Unternehmen, Marken und Ergebnisse bekommen. Der Geist macht Materie und nicht umgekehrt. Das ist das ganze Geheimnis des Erfolgs. Das neue Marketing braucht Sinnorientierung und keine Statisten.

Umsatzsteuervorausnachzahlung, Nulldefizit und Minuswachstum. Das ist Wirtschaftswissenschaft? Nein, das ist blanker Unsinn!

 

MARKETING IST MACHT

Heute wissen wir aus der Quanten-und Elementarphysik, dass Information Realität evoziert, also Wirklichkeit abbildet. Marketing ist pure Essenz, die Macht die Welt zu gestalten, weil sie die Meisterklasse der Informationsaufbereitung ist. Macht wurde immer schon missbraucht, aber dass sie sich gegen sich selbst wendet, das musste das Marketing erst erfinden. Toller Zusatznutzen! Fachleute sind heute nicht mehr als Systemerhalter, die völlig unbemerkt ein Kapitalsystem bedienen, das nicht nach dem Sinn frägt, sondern nur gefüttert werden will. Marketingexperten denken nicht an Lösungen, sondern führen Produkte lediglich in Prozesse ein. Sie denken und handeln in Schablonen und zwingen tatsächliche Potentiale zu braven angepassten Ladenhütern zu verkommen. Kreativität täuscht meist nur über das eigentliche Problem hinweg. Unsere Agentur THE MASTERPIECES führt Talente, Gaben und Träume zwischenmenschlich so zusammen, dass wir uns schon an der Basis nicht von der Unkultur der Arbeitsprozesse zu Systemen verleiten lassen. Wie soll das wahrhaftig gehen, wenn Mitarbeiter drei Stunden Zeit haben ein Design zu erarbeiten. Danach wird das Ergebnis an den Texter weitergegeben und Wortkünstler verpacken es in vorgefertigte Präsentationen. Ja man kann auch tote Materie hübsch zu Grabe targen. Ich bitte Sie! Doch die Welt und Querdenker wehren sich. Sie selbst sind es nämlich, die ihrem Schaffen wieder einen Sinn geben wollen. Der Starökonom Jeremy Rifkin postuliert den Untergang des Kapitalismus und ist damit längst nicht mehr alleine. Milliarden Dinge für Billionen Dollar funktioniert nicht mehr. Die „kollaborativen Commons“, also einfach die Zielgruppe Mensch, verweigert und organisiert sich. Wenn alles neu, mit Vitamin C angereichert, laktose-, gentechnik- und fettfrei ist, biologisch zum Etikett verkommt, Bier eigentlich ein Himbeerkracherl ist und man nicht mehr weiß, was eigentlich Sinn macht, dann brauchen wir eben Marken, die Sinn stiften. Das benötigt ein Marketing mit dem Format von Authentizität und Philanthropie. Manager, die in eine bessere Welt führen und nicht Prozesse ausführen. Andere sprechen von Talenten, wir reden von Gaben, denn diese sind nötig um die Seele einer Marke lebendig zu machen. Produkte müssen voller Sinn und Sinnlichkeit sein, sonst haben sie nichts mitzuteilen. Außer vielleicht den Preis.

Milliarden Dinge für Billionen Dollar funktioniert nicht mehr. Die „kollaborativen Commons“, also einfach die Zielgruppe Mensch, verweigert und organisiert sich.

 

GENERATION Y

Gott sei Dank werden es täglich mehr. Wer? Jene, die fähig sind solche Herausforderungen zu bewältigen. Denn für die Generation Y ist die Frage nach dem Sinn zum Merkmal geworden. Es sind jene Menschen, die wir als “Digital Natives” bezeichnen, also jene Generation, die online aufgewachsen ist. Da ihre traditionellen Muster von Beruf und Ausbildung zusammenbrechen, schaffen sie sich einen anderen Zugang zur Welt. Intuition ist ihr zentrales Merkmal und sie verfügen daher über ein anderes Bewusstsein. Für sie muss, was sie machen, einfach Sinn machen. Eine Denkweise, die sich Marken der neuen Dekade aneignen müssen wenn sie überleben wollen. Wer es gewohnt ist aus 50 Sorten Eis, 400 Modellen von Fahrrädern und über 1000 TV-Programmen auszuwählen, der weiß was wirklich glücklich macht.

Wir erweitern diese Zielgruppe und legen es im Marketing auf ein genetisches Programm um. Das Marketing Gen XY bringt eine andere Meme zum Vorschein. Produkte und Dienstleistungen, die vom wirtschaftlich gesteuerten Prinzip des Habens zum glücklichen Erleben des Seins führen. Das erzeugt Freude und auch Profit auf allen Ebenen.

 

WERBEAGENTUREN: AUFFANGGESELLSCHAFTEN MIT BURNOUT

 

Nennt mich bitte nicht Kollege! Ich bin sozial und wenige behaupten sogar sympathisch, aber alles hat seine Grenzen. In Österreich hätte ich über 12.000 Kollegen. Das übertrifft sogar die Inflation des Begriffs der Freundschaft seit Facebook. Nein, irgendwo ist Stopp! Mir ist bewusst, dass am Ende dieses Artikels die Anzahl meiner Kollegenfreunde weniger wird. Das ist gut so. Ich bitte darum …

Ich habe nicht Friseur gelernt, eine Ausbildung zum Elektrotechniker absolviert oder im Kinderzimmer bei Mama meinen Firmensitz, obwohl ich durchaus ein Befürworter des Homeoffice bin. Diese Ausbildungen habe ich nicht genossen und bin daher nicht euer Kollege. Ich habe meinen Beruf studiert und 25 Jahre praktisch und emotional erfahren. Ich stamme aus einer Zeit, wo ich und wenige Kollegen richtig lernen mussten, geprüft wurden oder ausreichende Erfahrung vorzuweisen hatten, bevor wir offiziell ein Kollege wurden. Es waren nicht alle ausgezeichnet und empathisch, aber immerhin tatsächlich Kollegen. Nicht dass jemand nun auf die absurde Idee käme, ich würde den Berufsstand nicht ehren oder mich lächerlich darüber machen. Im Gegenteil, genau darum muss ich darauf hinweisen. Ich würde es sogar als Thesen an die Pforte der Wirtschaftskammer nageln. Nur sind die heute aus Glas und kein Kollege geht da freiwillig hin.

WIRB ODER STIRB KOLLEGE …

Wir schreiben das Jahr 2001. Das Jahr des politischen Sündenfalls der Werbeagenturen. In diesem Jahr wurde das Gewerbe der Werbeagenturen freigestellt. 45 Euro Stempelmarke reicht. Nein, eben nicht! Ich vernehme laut und deutlich die Rufe der Kollegen. Sie haben allesamt das Motto „freie Marktwirtschaft“ in ihren, teils im Kinderzimmer gebastelten, Logos. Ein leitender Kollege des Geheimbundes der Wirtschaftskammer fasste es kompetent so zusammen: „Der Markt siebt die schlechten ohnehin aus“. Ich liebe dieses elegante Phlegma politischer Weisheit. Warum handelt nicht die ganze Wirtschaft danach? Wozu nicht auch Piloten und Ärzte frei und ohne Nachweis zur Arbeit schicken? Herrliche Welt, in der wir eventuell im Urlaub ankommen und nach der Operation aufwachen, oder aber nicht. Marktselektion ist ein wichtiges Korrektiv. Doch darf sich der potentielle Kunde vielleicht nicht erwarten, dass die Werbeagentur den Begriff Markenpflege richtig cool mit Brandmanagement übersetzen kann, aber ein wenig zu verstehen, was sich dahinter verbirgt, eventuell doch.

Ein Foto ist gut, oder eben schlecht. Die Auswirkung nicht unbedingt lebensbedrohlich. Im schlimmsten Fall wird einem wegen des dafür gezahlten Preises übel. Hier ist das freie Gewerbe eventuell mit dieser Argumentation zu vertreten. Für mich auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte. Doch Werbeagenturen entwickeln nicht nur Logos, die mehr oder weniger gefallen, sondern sind hauptverantwortlich für den Markterfolg. Hier mit der freien Marktwirtschaft zu argumentieren ist ein Kapitalausfall der vernunftbegabten Volkswirtschaft. Tausende Kollegen beraten ohne jede Mindestausbildung und Fachkenntnis tausende Startups, Unternehmensgründer und auch etablierte Marken. Ihre faktischen Falschberatungen sind keine Sache des Geschmacks sondern ein realer volkswirtschaftlicher Schaden. Aber keine Aufregung. Die Zahl der Insolvenzen steigt und wer sich von einem dieser Kollegen falsch beraten ließ, kann sich hernach ja als Werbeagentur versuchen. Sie lachen? Genau das passiert unfassbar viele Male …

PERSILSCHEIN MIT HANGOVER

Würde sich jemand der Peinlichkeit widmen zu errechnen wie hoch der tatsächliche volkswirtschaftliche Schaden daraus ist, der müsste die Nullen vor dem Komma zählen. Es werden nicht wenige sein. Milliarden Verluste, die sich nachweisen ließen. Aber wer will sich die Willkür des Turbokapitalismus schon offensichtlich vor Augen führen? Die Kollegen sicher nicht. Aus dem Burnout würden schnell viele Suizide erwachsen.

Die Zeit der Werbeagenturen ist vorbei. Sie sind zu einer Auffanggesellschaft für Menschen mit Burnout mutiert. Folgende Sätze habe ich tatsächlich, auch von kompetenter Stelle, gehört: „Wenn du nicht genau weißt, was du machen willst, melde eine Werbeagentur an.“, „Als Dekorateurin brauche ich eigentlich einen Gewerbeschein. Ich erspar mir die Prüfung und mach eine Werbeagentur.“, „Ich habe keine Ausbildung als Berater, aber ich habe eine Werbeagentur“. Das freie Gewerbe zieht die Schattengewächse der Wirtschaft förmlich an, wie die Motten das Licht. Man verzeihe mir, dass integre Fachleute, die ihren Beruf als Berufung ausüben, so viel lichter Logik nur dunklen Sarkasmus entgegenbringen können. Der moderne Schlachtruf der dunklen Seite des Marketings: „Kauf du Arsch“, mag eventuell auch darin begründet sein. Im Ernst, es ist eine Schande für ein Land, das weltweit für seine Fachkräfte geschätzt wird, die strategisch wichtige Zunft des Marketings dem schnöden Mammon von Mitgliedsbeiträgen zu opfern. Die Umwegrentabilität funktioniert, wie oben ausgeführt, nicht.

Abgesehen von der Dramatik des Gewerbes treten noch andere Zeugen auf, die das Siechtum der Werbeagenturen bezeugen können. Die Zeit ist in dieser, ansonsten wortgewandten Branche anscheinend in einem eigenen Kontinuum gefangen. Das Wort Werbung klingt angesichts der Unzahl an neuen Kommunikationsformen, Erkenntnissen und Fachgebieten wie einst das Wort Reklame, von dem sich die Werber mit Ekel abwandten. Man erinnere sich an die Zeit als Fußmatten mit dem zweckdienlichen Spruch „Bitte keine Reklame“ versehen waren. Viele nämlicher Kollegen entwickeln sich ein wenig zurück in die Zukunft und legen nach wie vor Postwürfe auf die Fußabstreifer der Zielgruppe. Der Plural des Wortes, wie der effizienten neueren Methoden ist ihnen nicht geläufig, weil nicht bekannt. Was man nicht kennt, dem widmet man sich nicht. Onlinemarketing, Public Affairs, Crowd Marketing etc. sind ihnen Magie von Sonderlingen.

Die Werbeagentur ist heute eine reine Gesellschaftsform ohne Bekenntnis. Unter einer Werbeagentur befindet sich eine ganze Heerschar an Experten, die allesamt noch kein Gewerbe haben, aber echten Expertenstatus haben müssten. Online Marketing, Event, Public Affairs, Action Werbung, Story Telling etc. sind nur Beispiele dafür. Die Welt der Kommunikation und des Marketings ist reicher an Wissen und Kreativität geworden. Reicher an Experten, die zum Erfolg einer Marke viel zu sagen haben. Sie sind alle samt keine Werbeagentur, sondern eben hochspezialisierte Fachleute. Ihre Zusammenarbeit macht die Kunst moderner Markenführung aus. Dazu braucht man aber wiederum nahezu begnadete Persönlichkeiten, die ein fundiertes Allgemeinwissen und lange Jahre an Praxis haben. Dies erhält man nicht für 45 Euro. Unsere Klienten tun mir leid. Sie wissen nicht im mindesten, wem sie am Markt vorfinden. Die Quote ist höher als im Lotto. 6 aus 45 ist wahrscheinlicher als 100 aus 12.000. Mehr werden es garantiert nicht sein, die diesen Anspruch erfüllen.

Es gäbe noch so viele weitere Zeitzeugen, die ich aufrufen könnte. Aber als Experte weiß ich, dass zu viel des Guten sich ins Gegenteil verkehrt. Den Ärger der Kollegen habe ich mir nun redlich verdient. Ich gehe jetzt zum Friseur, der hoffentlich noch sein Handwerk beherrscht und kein Kollege ist.

2017-12-15T21:04:26+01:00